Meinungsforum

Kommentar zur AfD in Birkenwerder

Manchmal sind sprachliche Nachlässigkeiten entlarvend: Das sei immerhin "ein schönes Ergebnis", wenn bei AfD-Veranstaltungen der Einsatz von  "Hundertschaften der Polizei" erforderlich sei, meinte der besonders begrüßte  Gast André Poggenburg, nationalkonservativer Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, und wollte damit seine Partei die Rolle des Opfers spielen lassen.

Aber diese Passivität passte so gar nicht zu den verbalen Ausfällen der Herren Galau, Gauland und Poggenburg am Mittwochabend, wenn sie - nach ihrer Wahrnehmung - den Zustand der Bundesrepublik  beschrieben: Werte- und Demokratie-Verfall, kein gesicherter Rechtsstaat mehr, Gleichschaltung, staatliche Hetzkampagnen durch "Hassminister Maas" und "Merkels Einheitspartei". Durch die AfD-Brille betrachtet bilden diese "verlogenen Gestalten der Altparteien" eine neue "Zensurbehörde" - und die Grünen werden als "linksradikale Kleinpartei" etikettiert. Ideologische Scheuklappen habe man übrigens nicht, man stimme sogar mit manchen Positionen der Linken überein, denn wo Sarah Wagenknecht Recht habe, habe sie eben Recht.

Über eine sinnentleerte, abstoßende Auflistung von Stammtischbeiträgen kam die Alternative für Denkfaule an diesem Abend nicht hinaus, aber den örtlichen wie den angereisten Anhängern gefielen diese Deftigkeiten: Sie spendeten ihrer Politprominenz kräftig  Beifall.

Harald Grimm

 

 

"Ohne Hast vorwärts!"

Die SPD OHV hat in einem unvorhergesehenen kurzfristigen Wahlkampf zur Neuwahl des Landrats ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Sie war in Bezug auf Kandidaten, Personal und Parteiunterstützung allen Mitbewerbern weit voraus. Den Sieg hat sie sich hart erarbeitet und redlich verdient. Insbesondere die deutliche Steigerung der Stimmenzahl und der Ausbau des Vorsprungs vor dem Zweitplatzierten in der Stichwahl unterstreichen den Erfolg.

Wenn es in Bezug auf das 15-Prozent-Quorum dennoch nicht gereicht hat, gibt es dafür eine Reihe von gesellschaftlichen Gründen, die wir zur Zeit nur eingeschränkt beeinflussen können: vor allem weit verbreitetes politisches Desinteresse, das von geschäftsorientierten Interessengruppen unterschiedlicher Art geschürt wird, die unser Freizeitverhalten von gemeinschaftlich ausgeübten Aktivitäten in Vereinen, Initiativen und Nachbarschaft massiv in Richtung Vereinzelung beeinflussen und gewachsene Strukturen des traditionellen Zusammenhalts zerstören.

Hinzu kommen unsere Schwierigkeiten, in einer bunten, nicht nur schwarz-weißen oder gar nur einfarbigen Welt Orientierung und persönliche Bestätigung zu finden. Diese Probleme werden vereinfacht nur als Versagen der Verantwortlichen wahrgenommen, vor allem der Politik angelastet und auf zu vielen Ebenen  als Entschuldigung für fehlendes eigenes Engagement ausgesprochen und akzeptiert. Leider gilt das oft auch für allzu populär-oberflächliche Darstellungen in den Medien und der lokalen Politik. Wenn im ersten Wahlgang unterlegene Parteien anschließend ihr Mitwirken einstellen, unterstützen sie einen Boykott unseres demokratischen Systems, ohne zu bemerken, auf was für dünnem Eis sie sich damit selbst bewegen.

Harald Grimm, Schönfließ

 

Deutschland, einig Vaterland

Fast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung argumentiert die CDU in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (10.12.14) tatsächlich mit der Herkunft der Kandidaten? Das ist peinlich! Vielleicht sollten sich Kandidat Rink und Kreischef Bommert mit den Gegebenheiten in Brandenburg im Jahre 2014/15 vertraut machen: Unser Landkreis profitiert erheblich vom Zuzug aus ganz Deutschland, und diese Mischung macht unseren Landkreis aus. Neben dem Verständnis für unseren Kreis geht es bei dem neuen Landrat aber besonders um die Erfahrungen, die aus der aktuellen Arbeit mitgebracht werden. Der „waschechte“ Hohen Neuendorfer Rink arbeitet seit Jahren irgendwo in den Tiefen der Bezirksverwaltung von Berlin Reinickendorf. Ludger Weskamp arbeitet im Gegensatz dazu seit Jahren an zentraler Stelle verantwortlich für den Landkreis Oberhavel. An den unbestrittenen, großen Erfolgen des Kreises hat er als bisheriger Bildungs- und Finanzdezernent einen wesentlichen Anteil. Das ist schon ein ganz anderes Kaliber!

Ludger Weskamp ist ein kluger Kopf und ein unaufgeregter Mensch. Er passt hervorragend zu uns - am besten als Landrat!

Uwe Tittelbach, Borgsdorf


 
 

"Viele Ostler werden immer trotziger"

Das behauptet Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat, weil 25 Jahre nach dem Mauerfall Ostprodukte und der Verkauf von DDR-Reliquien wieder in den Fokus gerückt seien - so Jutta Schütz in der MAZ am 19.3.2014. Sie zitiert den Professor der Freien Universität Berlin: "Je weiter die DDR zurückliegt, um so mehr wird sie verklärt. (...) Wir müssen uns dagegenstemmen." In der anschließenden Leserdebatte wurde auch die humorig-zornige Reaktion des Vorsitzenden unseres Ortsvereins veröffentlich:  

Ich bin Brandenburger, dusche gern mit Badusan, würze mit Bautzener Senf und bin ständig auf der Suche nach einem Bäcker, der noch halbwegs "Ostschrippen" statt der aufgeblasenen "Westschrippen" im Angebot hat. Nach dem Verständnis des Herrn Schroeder bin ich also ein trotziger Ostler, dem man sich entgegenstemmen muss.

Man sollte Verständnis für ihn haben, denn als Professor an der FU Berlin, der den Forschungsverbund SED-Staat leitet, muss er wohl solchen abstrusen Überlegungen nachgehen, sonst wackelt vielleicht sein Westgehalt. Mit solchen Erklärungen werden Ostprodukte madig gemacht und im 25. Jahr des  Mauerfalls noch immer alte Klischees bedient.  

(Peter Witte, Mühlenbeck)

Arne Schumacher springt ihm mit gehörigem Spott auf den Politikwissenschaftler zur Seite, der wohl statt "Tomatensoße und Erbseneintopf à la Zonenküche (...) mindestens einmal die Woche Beköstigung bei MacDonald's" als Umerziehungsmaßnahme empfehlen würde.

Während E. Naumann aus Brandenburg an der Havel diese Zuschriften herzerfrischend, ehrlich und genial findet, ist für Wolfgang Tietz aus Grabow "dieses 'Ost-West-Gehetze' in der heutigen Zeit kaum noch nachvollziehbar. Ich kaufe und esse, was mir schmeckt, wobei die Herkunft für mich völlig belanglos ist." - Allen Lesern sei eine gute Verdauung gewünscht!