SPD Mühlenbecker Land

SPD-Ortsverein Mühlenbecker Land

"So eine Parteiveranstaltung habe ich hier noch nie erlebt!" Frauentalk zum Jahresempfang 2020

Veröffentlicht am 09.03.2020 in Ortsverein

„Weil der 8. März dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, ist er nicht nur in Berlin, sondern auch für uns in Brandenburg  ein Feiertag und damit Anlass, über Erfolge und noch nicht erreichte Ziele der Gleichberechtigung  zu sprechen“, begründete Harald Grimm am Sonntag in der Mönchmühle die Wahl dieses Datums für den traditionellen Jahresempfang der SPD Mühlenbecker Land.   

 

Bonnie Bernburg (Mühlenbeck), Uschi Liekweg (Zühlsdorf) und Regine Schubert (Schönfließ) hatten zu einer Talkrunde drei Frauen eingeladen, deren Biografien unterschiedlicher nicht sein konnten: Gegenüber der langjährigen Vorsitzenden der Zühlsdorfer Volkssolidarität,  Rosemarie Allenberg, nahm die Hohen Neuendorfer Landtagsabgeordnete Inka Gossmann–Reetz vorne Platz, eine Generation später in der BRD aufgewachsen. Zwischen ihnen saß die Physik-Studentin Caroline Kinzel  aus Schönfließ, die erst nach der Wiedererlangung der deutschen Einheit geboren ist.  Moderiert wurde die Gesprächsrunde von der Schildowerin Alexandra Knull, die sich bei den Teilnehmerinnen nach ihren persönlichen Lebenserfahrungen als Frau in unserer Gesellschaft erkundigte.

 

Die Reaktionen aus dem Saal ließen erkennen, dass die vorgetragenen Beispiele in Bezug auf Chancen, Geld und Macht den sechzig  Gästen vertraut waren. Etwa die Erwartung an die schwangere Lehrerin, umgehend zu heiraten, wenn sie ihre Stelle an der Schule behalten wolle. Oder die zufällige Aufdeckung bei einer Stellenbesetzung, dass der neue Kollege ein weit höheres Gehalt bekommen sollte als vorher die alleinerziehende Mutter – mit der Begründung, er müsse damit schließlich seine Familie versorgen. Und die frustrierende Feststellung am Anfang des Studiums, dass die möglichen akademischen Karriere-Positionen je höher desto ausschließlicher männlich besetzt sind.  

 

Inka Gossmann-Reetz zitierte die bekannte Frauen-Forderung: „Wir wollen nicht die Hälfte vom Kuchen, sondern die Hälfte der Bäckerei!“ Caro Kinzel betonte, dabei gehe es nicht um einen Kampf Frauen gegen Männer, sondern um gegenseitigen Respekt, Fairness und die Bereitschaft, aus Solidarität auch mal  einen Schritt zur Seite zu treten. Es sei auch nicht unbedingt persönlicher Unwille, an dem Gleichberechtigung scheitert, meinte Rosi Allenberg. „Mein Mann und ich teilen uns die Arbeit auf und jeder macht, was getan werden muss. Aber gleichzeitig stelle ich fest, dass die gesellschaftlichen Strukturen den beruflichen Anforderungen hinterher hinken: Wie sollen Frauen im Beruf vorankommen, wenn sie am Arbeitsplatz wegen fehlender Kita-Plätze und ohne Großeltern nicht die erwartete Präsenz zeigen können?“ 

 

An der lebhaften Diskussion beteiligten sich mehrere Frauen aus dem Saal, indem sie sich auf den für sie freigehaltenen Hocker neben der Moderatorin setzten, stellten Fragen, berichteten von eigenen Erlebnissen und formulierten Erwartungen an die Zukunft. „So eine Parteiveranstaltung habe ich hier noch nie erlebt“, zeigte sich die Vorsitzende des Bürgervereins Bieselheide beeindruckt: „Das ist eine ganz andere Atmosphäre, wenn vorne nur Frauen sitzen, untereinander und mit den Gästen im Saal diskutieren.“ Ihr Dank an die Runde wurde mit großem Beifall bedacht. 

 

Nach einer Stunde Talk gab der Ortsvereinsvorsitzende Norbert Bücker das Buffet frei, und die Ehrenamtlichen von Feuerwehr, Kultur- und Sportvereinen setzten die Unterhaltungen bei Background-Jazz  (nach Beatles-Songs) des amerikanischen Keyboarders Jeffrey Lee Mills angeregt fort.

Vor der Talkrunde hatte Bücker die Herausforderungen des vorangegangenen Wahljahrs resümiert und Staatssekretär Benjamin Grimm von den ersten hundert Tagen der rot-schwarz-grünen Koalition in Potsdam  berichtet, die sich gesellschaftlichen Zusammenhalt, nachhaltiges Wirtschaften und Stärkung der Sicherheit im Zusammenleben aller sozialen Gruppen als wichtigste Ziele in den Koalistionsvertrag geschrieben hat.

Schmunzelnd plauderte er aus dem Nähkästchen der Landesregierung: „Dietmar Woidke ist meist  gut gelaunt, das heißt, es läuft zur Zeit ganz gut.“ 

 

[Fotos: Axel Berschneider]

 

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